Urlaub in Corona-Zeiten: alles anders oder echt easy?

Familien-Blog Ferien Niederlande

Seit Mitte März schien es für die meisten von uns klar zu sein: Der Sommerurlaub würde so, wie geplant, nicht stattfinden. Die Lager gingen dabei sicher auseinander. Vielleicht auch bei uns. So hat meine Frau bis zur Abfahrt stets auf die Rest-Unsicherheit verwiesen, dass es jederzeit wieder in einen Lockdown gehen könnte. Ich dagegen hatte seit Ende März auf die Hoffnung gesetzt, dass Corona bis zum Sommer „durch“ sein würde.

Unser Ferienhaus hat einen separaten Zugang neben dem Haupt-Haus. Abstand halten ist kein Problem.

Wie schon die letzten fünf Jahre haben wir auch dieses Jahr „unser“ Ferienhaus gebucht. Es liegt in Zoutelande in Zeeland, dem Südwest-Zipfel der Niederlande. Festgemacht hatten wir die Unterkunft schon während des Urlaubs im letzten Jahr. Dabei waren die Bedenken meiner Frau bis zum Schluss mehr als berechtigt.

Zeeland war die einzige Provinz, die bis in den Mai hinein ein striktes Übernachtungsverbot verhängt hatte – anders als z.B. im deutschen Sankt-Peter Ording. Dort haben wir vor einigen Wochen das Thema Urlaub zu Corona-Zeiten quasi schon einmal getestet. Übernachtungen mit fester Unterkunft waren in Nordfriesland gestattet.

Wie wird man Corona-„Safe“?

Als der Urlaub mit jedem Monat wahrscheinlicher wurde, begannen die Überlegungen, was wir dieses Jahr anders machen müssten, um Corona-„Safe“ zu sein. Oder mussten wir vielleicht gar nicht so viel ändern? Wir buchen immer Ferienhäuser, weil wir uns im Holland-Urlaub gerne selbst versorgen. Der erste Gedanke war also: Wie wird das Einkaufen im Supermarkt am Urlaubsort aussehen? Den vergleichsweise kleinen Supermarkt im Ort haben wir in all den Jahren als eng und voll in Erinnerung. So war klar, dass wir ausschließlich im XL-Supermarkt in der nächsten Stadt einkaufen würden. Denn in den Niederlanden gilt in den Geschäften keine Maskenpflicht.

Der Moment, auf den wir ein Jahr gewartet haben: Nach Ankunft endlich wieder dem Meer Hallo sagen

Selbst für dort haben wir vor unserem inneren Auge einen Plan gemacht. Schnell und ohne Umwege durch unübersichtliche Supermarkt-Abteilungen durchkommen war die Devise. Was können wir also mitnehmen, was übersteht die Fahrt? Was gibt es nur dort, was ist Urlaubs-Tradition und muss nach Ankunft dort eingekauft werden? Denn das typische Feeling von Holland-Urlaub wollten wir unseren Jungs schließlich nicht nehmen. Ja, und auch das Willkommens-Spielzeugauto musste schnell gegenüber vom Supermarkt gekauft werden.

Keine Zeit, Äpfel mit Birnen zu vergleichen

Ich brauche übrigens immer ewig in der Obst- und Gemüseabteilung. Wir haben also tatsächlich eine ganze Melone aus dem heimischen Supermarkt mitgenommen. Außerdem Äpfel, verschiedene Sorten Aufbacken-Brote, Grillgut auf kleinstem gemeinsamen Nenner (sprich: kleine Nürnberger, perfekt für eine eigene kleine Kühltasche), zudem Veggie-Grillzeug – und so konnten wir für unseren Einkauf im Prinzip in der Mitte des Ladens beginnen, bei Käse- und Milchwaren. Dass wir im Vorbeigehen recht und links einmal Cocktail-Tomaten und abgepackte Erdbeeren greifen würden, plus Asia- bzw. Mischgemüse, war einkalkuliert.

Dank gut durchdachter Einkaufsliste ist sogar noch ein kleines Kinder-Geschenk drin

Erstmals fiel mir auf, dass man als deutscher Urlauber wie in einem Flow vorbei an Pannekoeken, Vla, Hagelslag, Stroopwafels & Co. geleitet wird. Mega! Dann noch schnell in die Getränke-Abteilung, einen Wochen-Vorrat anlegen, so dass auf dem Weg zur Kasse noch Zeit für ein Mitbringsel blieb. Zum ersten Mal fand ich unseren Supermarkt-Einkauf im Urlaub entspannt! Dazu muss man sagen, dass die Niederländer sich an das Abstandsgebot von 1,5 Metern halten, und mit viel Geduld vor den Gängen warteten, sobald mehr als 2 Personen zwischen den Regalen standen.

Die Macht des Antizyklischen

Leider bot sich in den Touri-Läden Zoutelandes ein etwas anderes Bild. Einmal sind wir der Versuchung erlegen und haben uns bei „normalem“ Wetter und bester Shopping-Tageszeit in die Fußgängerzone begeben. Der Drang, das Taschengeld im Urlaub auszugeben, war schlicht zu groß. Im Laden drängten sich die Menschen dicht an dicht. Mein Eindruck war, dass vornehmlich nicht-niederländische Touristen keine Maske tragen zu müssen als Signal verstanden haben, dass die Pandemie vorbei sei. Schade! Wenigstens griffen Gemeinde-Mitarbeiter auf der Straße hier und da ein, um zu wenig Abstand zu verhindern.

Eine weitere „Denk-Leistung“ war, dass wir vieles antizyklisch gemacht haben. Die lange Schlange der vor der Lieblings-Eisdiele hatten wir noch lebendig vor Augen. Also gab’s das kühle Gold (oder auch: die klebrige Sauerei) diesmal oft schon vor dem Abendessen, also gegen sechs. Die von Sonnen-Brutzlern bevorzugte Strand-Zeit über Mittag haben wir vermieden. Vorher wären wir auch gar nicht aus dem Quark gekommen! Ans Meer ab halb drei hatte auch den Vorteil, dass Tiefpunkt der Ebbe war. Der Strand ist dann so breit, dass weniger als einsfünfzig Abstand zum Nachbar-Handtuch zu recht als Anmache durchgegangen wäre.

Urlaubs-Normalität ohne Risiko

Nun gut, das mit der optimalen Ebbe-Zeit war göttliche Fügung. Wer konnte vergangenes Jahr schon wissen, dass dieses Jahr Abstandsregeln gelten? Und überhaupt gebe ich zu, dass wir 2020 was Urlaub betrifft riesiges Glück hatten. Wegen ursprünglich geplanten Durcharbeitens bis zum Sommer, hatten wir nichts anderes gebucht als Zoutelande. Es gab keine Enttäuschung, dass zum Beispiel der Osterurlaub ausfiel. Dann hat sich die Corona-Situation in Zeeland auch noch so weit entspannt, dass unser geplanter Sommerurlaub schließlich doch noch möglich war. Und dass wir wie jedes Jahr aufs gleiche Haus gesetzt haben, mag nach außen langweilig erscheinen. Gerade jetzt war aber nichts angenehmer als zu wissen, was wir im Urlaub bekommen.

Für uns schon ganz normal: Im Ferienhaus wird am liebsten auf dem Treppen-Absatz gespielt

Ich denke, das wichtigste am Urlaub in Corona-Zeiten ist, den Kindern so viel Urlaubs-Normalität zu bieten, wie möglich – ohne dabei bemüht einen auf „normal“ zu machen. Würde ich „normal“ spielen, müsste ich mich ja für jede Kleinigkeit in jeden noch so vollen Laden zwängen, ohne Maske, und das nur für „Jedöns“ kaufen. Die Kinder verstehen ohnehin, dass es ein Ausnahme-Jahr ist. Ich bin ja gerne Großmeister im Erwartungen dämpfen. Diesmal hat es sich jedoch gelohnt. Denn alles, was wider erwarten nach Plan läuft, löst bei den Kindern Begeisterung aus. Wie zum Beispiel zur Eisdiele gehen, wenn auch früher am Tag, am Strand spielen, wenn auch später am Tag, oder einmal zum Klamotten- und Buchladen fahren in die hübsche alte Stadt. Das natürlich zur Mittagszeit, wo alle am Strand oder Essen sind und es entsprechend leer ist. All das findet statt, in entspannter Atmosphäre.

Ist das Gepäck, oder kann das weg?

Eines ist jedoch unverändert unentspannt geblieben: Das Auto beladen. Entweder der Kofferraum schrumpft, oder es will einfach nicht weniger werden. Was habe ich mich darüber gefreut, dass keine Fahrradsitze und Laufrad mehr mit kommen. Kein Kinderbett und Extra-Matratze mehr. Doch plötzlich steht das Instrument des Größten mit beim Gepäck. Und mehr Holzspielzeug als je zuvor. Eigentlich müsste das doch genau den Platz einnehmen, den ich gewonnen habe?

Ich schaue genauer hin, und der Groschen fällt: So eine eckige Kiste voll mit Lebensmitteln, Kühltaschen und eine Melone sind nicht nur voll 80er, sondern wirklich super unpraktisch. Warum nochmal kaufen wir das Zeug nicht im Supermarkt vor Ort? Coro-waaas? Arg, hatte ich vergessen!

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