Halbzeit im Urlaub: Endlich Quality-Time mit dem Mittleren

Eltern-Blog

Heute vor drei Wochen haben die Sommerferien in unserem Bundesland begonnen. Wir sind immer noch happy, dass trotz Corona alles wie geplant geklappt hat. Dennoch ist nicht alles wie immer, Stichwort „Abstands-Regeln“, antizyklisches Rausgehen, etc. Doch gestern gab es endlich wieder ein Stück Normalität mehr: Den berühmt-berüchtigten Abend-Spaziergang mit dem Mittleren.

Der Mittlere mit seinem kleinen Begleiter auf Abend-Runde in den Dünen Zoutelande

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann es angefangen hat. Ich glaube es war im Sommer vor vier Jahren. Ich hatte mich nach 12 Jahren in einem großen Medien-Konzern erst vor wenigen Monaten selbständig gemacht. Neu-Kunden mussten gewonnen werden. Als erstes ging es aber um Kontakt-Pflege zu langjährigen Partnern, mit denen ich in den zwölf Jahren zuvor viel gemacht hatte. Also ging die erste Dienstreise in eigenem Auftrag nach Holland. Endlich „frei“ musste ich keine extra Genehmigung mehr einholen, dass die Familie mich begleiten dürfte. Sie kam einfach mit dorthin und war vor Ort im gleichen Hotel.

Die Begeisterung für eine fixe Idee

Der Ort war eher eine Stadt, wir waren in Leiden, dem „kleinen“, zweiten Amsterdam der Niederlande. Das Hotel war ein putziges, schmales Haus an einer Gracht. Nach meinem ersten Termin des Tages (der war in Utrecht) und Ankunft in Leiden war es bereits Abend. Vor allem der Mittlere war noch voller Energie. Da war er fünf Jahre alt. Er schlug vor, dass er doch noch mit mir rausgehen und die Stadt erkunden könnte. Das war so ein „Unser-Mittlerer“-Moment: Ein Moment, in dem er sich selbst und uns so dermaßen begeistern konnte von einer fixen Idee, dass keiner nein sagen konnte.

Eines unserer Lieblings-Cafés in den Niederlanden

Wir zogen also los, es war die Einführungswoche an der Universität Leiden, und die Stadt war am Abend noch voller, teils verkleideter (?) Studien-Anfänger. Jede Gracht haben wir mitgenommen, sind zickzack über kleine Brücken, schmale Gassen und alten Kanal-Häfen von Leiden vorbei. Zwischen tief stehender Sonne und gelblichen Straßen-Laternen hüpfte ein kleines, Ein-Meter-Irgendwas-Männchen begeistert durch eine fremde Stadt. Es mag sein, dass die Proportionen holländischer Städte unseren Kindern besonders gut gefallen. Es war jedenfalls alles so gepflegt, klein und putzig, dass der Mittlere nur so vor sich hin quiekte.

London oder Paris? Hauptsache Eng-reich!

Im gleichen Sommer ging es noch geschäftlich nach England und Schottland. Auch hier konnte ich den Mittleren nicht bremsen, in Liverpool einmal abends zur Waterfront und zurück zu gehen. Städte am Meer sind aber auch toll, ich glaube hier hat er besonders die Weite der Stadt genossen. Genau deshalb war diese Stadt in den Jahren vorher schon ein optimales Pflaster, die Familie auf Dienstreise mitzunehmen. Denn selbst wenn es genehmigt war, wollte man den Kollegen ja trotzdem nicht auf die Nase binden, dass die Familie auch vor Ort war.

Anschließend habe ich gemerkt, dass wir zwar Großstadt-Kinder haben. Sie lieben jedoch genauso die Oasen in einer Stadt – und wie sich alles gen Abend hin verändert. Was man da alles viel besser sieht! Im Frühjahr drauf düste der Mittlere abends mit mir durch Lille, im Herbst dann abends entlang der Croisette durch Cannes. Damit es in dem Jahr nicht zu französisch wurde (ich stelle gerade fest: Meine Branche ist bei Branchen-Events sehr Frankreich-lastig), haben wir im Sommer zehn Tage London gebucht. Privat (und gar nicht teuer!), in einem echten Wohngebiet mit typisch englischen Reihenhäusern. Auch hier dauerte es nicht lange, bis der Mittlere eines Abends mit mir die „Hood“, sprich Northfields im Borough of Ealing erkunden wollte.

Cool durch den Kiez

Stunden lang haben wir uns durch die süßen Wohnstraßen treiben lassen, bis es stockdunkel war. Das gleiche im selben Jahr (und ein Jahr später erneut) im Sommer in Berlin. Im darauf folgenden Frühjahr gab es dann einen coolen Abend-Spaziergang durch Paris. Der Sommer stand wiederum ganz im Zeichen eines Auftrags in Berlin. Ich bin mir sicher, dass wir auch hier die beiden Kieze, in denen wir in der Zeit gewohnt haben, auch bei einbrechender Dunkelheit unsicher gemacht haben.

Beim Kleinsten bin ich noch nicht sicher, ob er was Abend-Spaziergänge genau so ein Energie-Bündel wird wie sein nächst älterer Bruder. Sicher bin ich mir aber jetzt schon, dass ich die Abend-Touren mit unserem Mittleren dieses Jahr vermisse. Das ist so eine spezielle Quality-Time, die man glaube ich nicht beim Vorlesen oder gemeinsamen Spielen wiederbekommt. Das ist zwar auch ganz toll. Aber sich durch die Augen eines Fünf-, Sechs-, jetzt Acht-Jähigen durch große und historische Städte Europas leiten zu lassen, ist einfach nicht zu toppen.

Wohin könnte es bald wieder gehen?

Wenn ich sage, dass Corona uns dieses Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, weiß ich: das ist Leiden auf hohem Niveau! Doch der Mittlere sagte vor dem Urlaub, er fände es schade, dass wir dieses Jahr nicht noch woanders hinfahren. Er meinte damit einen Ort, an dem ich in einem Auftrag zu tun hätte, und wir wie Einheimische dort leben. Ich glaube, ihm hat es bisher etwas bedeutet. Das ist irgendwie schön!

Nein, wir haben sogar drei kleine Berlin-Experten!

Vielleicht kommt das ja wieder. Doch wer weiß das schon. Mag sein, dass der Mittlere bis nächstes Jahr schon so groß ist und Abend-Touren mit Papa gar nicht mehr braucht. Das hätte ich dieses Jahr gerne nochmal getestet. Immerhin sind wir gestern Abend über die Dünen gewandert. Am Horizont haben wir Schiffe gesehen. Als es darum ging, wo sie wohl hinfahren, habe ich gesungen „New York, Rio, Tokyo“… Mal schauen, wann und wo es in naher oder ferner Zukunft überhaupt wieder hingeht.

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